Der Windsack steht bei starkem Wind fast waagrecht. Urheber: George HodanDer Windsack steht bei starkem Wind fast waagrecht. Urheber: George Hodan

Wien ist durch die Lage am Alpenostrand grundsätzlich schon eine für Wind sehr anfällige Stadt. Doch die letzten Tage und Wochen waren selbst für Wiener Verhältnisse extrem stürmisch. Gefühlt verging kein Tag ohne von einer bevorstehenden Sturmwarnung zu hören. Oft werden diese durch diverse Medien dramatisiert und es ist gleich von einem Orkan die Rede.

Seriöse Informationen zu Sturmwarnungen

Österreichweite, mehrmals täglich aktualisierte Informationen rund um Wetterwarnungen finden sich auf der Homepage der ZAMG. Dort wird nicht nur vor Starkwind, sondern auch vor anderen Extremen wie außergewöhnlicher Kälte/Hitze oder Starkregen gewarnt. Betreffen wirklich gefährliche Wettersituationen den Wiener Raum, dann gibt es natürlich auch einen dementsprechenden Artikel auf unserer Startseite www.wetter-wien.wien. Doch jetzt zum Kernthema dieses Beitrages: Wie entsteht so starker Wind?

Starke Druckgegensätze als Ursache für Sturm

Wind entsteht immer als Ausgleichsbewegung zwischen Gebieten mit unterschiedlichem Druck. Auf großer Skala betrachtet sprechen wir hierbei von Hoch- und Tiefdruckgebieten. Die Geschwindigkeit der Luftbewegung richtet sich nun nach dem sogenannten Druckgradienten. Dieser gibt an um wieviel sich der Druck auf eine gewisse Länge ändert. Am einfachsten besimmt man dieses Gefälle mit Hilfe von Wetterkarten. Diese theoretische Überlegung soll nun an einem aktuellen Beispiel vom 22. Februar praktisch gezeigt werden. Hierfür wird die Bodenwetterkarte der ZAMG herangezogen.

Bodenwetterkarte vom 22.Februar um 12 UTC. Ein Tief über der nordnorwegischen Küste bringt starken Wind. In schwarz: Isobaren, Linien gleichen Luftdrucks.
Bodenwetterkarte vom 22.Februar um 12 UTC. Ein Tief über der nordnorwegischen Küste bringt starken Wind. In schwarz: Isobaren, Linien gleichen Luftdrucks.

Betrachtet werden nun jene Druckgebilde, welche Maßgebend für Österreich sind. In diesem Fall das Tief (948 hPa) vor der nordnorwegischen Küste im Bereich der Lofoten, und als Gegenspieler das Hoch (1036 hPa) über Norditalien. Dies ergibt somit einen Druckunterschied von 88 hPa. Mithilfe der Internetseite www.luftlinie.org kann die Entfernung zwischen den beiden Zentren abgeschätzt werden: 2.500 km. Umgerechnet ergibt sich also eine durchschnittliche Druckabnahme um 3,52 hPa pro 100 km. Dieser Wert kann leider nicht direkt in eine am Boden fühlbare Windgeschwindigkeit umgerechnet werden, da hier Hindernisse wie etwa Gebäude, Bäume oder Berge eine große lokale Rolle spielen. Tatsache ist jedoch, dass von diese Druckkonstellation Wien am Folgetag betraf, und an der Wetterstation Wien-Jubiläumswarte Windspitzen von über 115 km/h auftraten.

Typische Wetterlagen

Für Wien am typischsten ist der starke Wind aus Westen. Hierfür muss wie im genannten Beispiel das Tiefdruckzentrum im Norden von Österreich liegen. Der Kern kann jedoch auch deutlich südlicher als im gezeigten Fall sein. Ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet mit dem Zentrum über Dänemark ist unter Umständen sogar noch gefährlicher.

Sturm und Klimawandel

Die enorme Häufigkeit der Starkwindereignisse der letzten Zeit lässt natürlich auch an einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Anzahl solcher Events denken. Doch kann es eine solche Korrelation geben? Die Antwort lautet: Ja! Der Grund hierfür liegt in einer Abschwächung des Jetstreams durch eine stärkere Erwärmung an den Polen als in niedrigeren Breiten. Der Jetstream ist jedoch verantwortlich für unser Wettergeschehen und die Variabilität unseres Wetters. Schwächt er sich nun ab bleiben einerseits Hochdruckgebiete länger bestehen (lange Trockenperioden) und auf der anderen Seite bleibt auch die Durchzugsstraße für Tiefdruckgebiete länger geöffnet. Dadurch kann es zu einer solchen Abfolge von Sturmtiefs kommen.

Mehr Infos zum Thema: Warum weht in Wien so oft der Wind?

Artikel erschienen am    3. März 2020  | 

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