Sentinel 6 - In 1300 km vermisst er mittels RADAR-Strahlen die MeeresoberflächeSentinel 6 - In 1300 km vermisst er mittels RADAR-Strahlen die Meeresoberfläche

Genau genommen sollte der Begriff in diesem Fall nicht Wettersatellit, sondern eher Klimasatellit lauten. Denn der Hauptfokus seiner Messungen ist nicht die Darstellung des aktuellen Wetters, sondern viel mehr die Veränderung des Klimasystems zu quantifizieren.

Neuer Wettersatellit misst Anstieg des Meeresspiegels

Durch den mit einer erschreckenden Geschwindigkeit fortschreitenden Klimawandel erwärmt sich nicht nur die Erdatmosphäre, sondern auch die Ozeane. Durch die bedeutend größere Wärmekapazität dieser, geschieht diese Temperaturzunahme jedoch deutlich langsamer als jene der Luft.

Die Erwärmung von Luft und Wasser führt zudem auch zu einem Abschmelzen der Eisschilde an den Polkappen. Dadurch verteilt sich das an den Polen in Form von Eis gespeicherte Wasser über den ganzen Globus, was in weiterer Folge zu einem globalen Anstieg des Meerespiegels führt. Konkret sprechen wir hierbei aktuell von rund 4 mm pro Jahr.

Obwohl diese Zahl auf den ersten Blick lächerlich gering erscheinen mag, ist sie alarmierend. Laut der Wissenschaftsplattform scinexx könnte der immer rasantere Anstieg dazu führen, dass bereits in 15 Jahren einige Inseln dieser Welt unbewohnbar seien.

Bei der Überwachung genau dieses Anstieges hilft der neue Satellit Sentinel 6 schon in wenigen Wochen. Zuvor müssen allerdings noch einige Funktionstest aus dem Orbit durchgeführt werden.

Technische Daten des Sentinel 6

Ein neuer Wettersatellit setzt meistens einen neuen Technikstandard im All. Die wichtigsten und interessantesten Daten wollen wir in dem folgenden Absatz aufzählen.

Sentinel 6 ist entstand aus einer Kooperation zwischen der europäischen (ESA) und amerikanischen Raumfahrtbehörde (NASA). Eine Falcon 9 von SpaceX transportierte ihn am Abend des 21.11.2020 ins Weltall, wo er eine endgültige Bahnhöhe von 1300 km über der Erdoberfläche einnehmen wird. Typisch für die Trägerraketen von SpaceX landete der Booster nach dem Abkoppeln in der Nähe der Startrampe und kann wiederverwendet werden.

Der Satellit selber ist ca so groß wie ein klein-LKW und hat ein Gewicht von rund 1,2 Tonnen. Das was auf dem Titelbild dieses Artikels wie ein Dach aussieht sind Solarpanele, die einen autarken Betrieb ermöglichen. Durch eine eher steile Umlaufbahn gelingt es Sentinel 6 alle 10 Tage rund 95% der Meeresoberfläche zu scannen.

Messung mittels RADAR

Um die Höhe der Meeresoberfläche zu bestimmen verwendet der Satellit die RADAR-Technologie. Er sendet dabei RADAR-Strahlen in Richtung Erdoberfläche und misst die benötigte Zeit bis diese reflektiert von der Erde wieder bei ihm ankommen. Ein solches Messverfahren heißt aktive Messung. Bei einer passiven Messung wird hingegen nur die emittierte und reflektierte Strahlung der Erde gemessen, ohne das der Satellit selber etwas senden muss. Die Laufzeit alleine reicht aber noch nicht um die genaue Entfernung zu bestimmen, denn die Geschwindigkeit des RADAR-Signals hängt zusätzlich vom Wasserdampfgehalt in der Atmosphäre ab. Dieser wird mit einem zweiten Messgerät bestimmt, und fließt in die Entfernungsberechnung mit ein.

In guter Gesellschaft

Wer Angst hat Sentinel 6 fühlt sich da oben alleine macht sich unnötiger Weise sorgen. Denn er fliegt dicht hinter seinem Vorgänger Jason 3. In den ersten Monaten dient Jason noch als Hauptmessgerät und zur Kalibration von Sentinel. Ist diese Phase abgeschlossen wird der neue die Hauptmessung übernehmen und Jason dient solange er noch im Orbit ist als Unterstützung.

Artikel erschienen am    26. November 2020  | 

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