Das Wetter im Juni 2020 erinnerte zeitweise eher an einen typischen April - bloß wärmer.Das Wetter im Juni 2020 erinnerte zeitweise eher an einen typischen April - bloß wärmer.

Für viele war der Juni 2020 deutlich zu kühl und verregnet. Zumindest der zweite Punkt stimmt teilweise. Doch bei der Temperaturanomalie sagen die Fakten etwas anderes. Der vergangene Monat entspricht sehr gut dem klimatologischen Mittel mit einer leichten Tendenz zu warm zu sein. Und Zahlen lügen bekanntlich nicht.

Klimatologie Juni 2020: + 0,4 °C Abweichung

Für normal geben wir hier immer an ob dieser Wert für ganz Österreich oder nur Wien-Hohe Warte gilt. In diesem Fall ist diese Angabe aber redundant, da die Abweichung zum klimatologischen Mittel von 1981 bis 2010 sowohl in Wien als auch ganz Österreich + 0,4 °C beträgt. Dies liegt nicht zuletzt an der sehr homogenen (gleichmäßigen) Verteilung der Temperaturanomalie über ganz Österreich, was die folgende Abbildung verdeutlicht.

Temperaturverteilung über Österreich im Juni 2020. Auffällig ist die sehr homogene Verteilung. Quelle: ZAMG
Temperaturverteilung über Österreich im Juni 2020. Auffällig ist die sehr homogene Verteilung. Quelle: ZAMG

Der Temperaturhöchstwert war am 28.Juni mit 32,9 °C in der Inneren Stadt erreicht. Dieser Tag ist somit als heißer Tag einzustufen. Das andere Extrem fand 26 Tage früher mit +6,4 °C in Mariabrunn statt. Der Juni war also der erste frostfreie Monat im Jahr 2020.

Wenn das Extrem zur Normalität wird

Wieso kam uns dann dieser erste Sommermonat so deutlich zu kühl vor? Der Grund hierfür ist wahrscheinlich ein psychologischer und ist in den Junis der letzten Jahre zu finden. 2019: +4,6 °C ; 2018: +1,8 °C ; 2017: +3,1 °C ; 2016: +1,1 °C ; 2015: +1,3 °C (Österreichweite Abweichung der Durchschnittstemperatur im Juni des jeweiligen Jahres). Um den letzten Juni mit einer Abweichung von unter 0,5 °C zu finden muss man also ganz schön weit zurückblicken. Genau gesagt bis ins Jahr 2013, wo die über Österreich gemittelte Anomalie +0,1 °C betrug. Weitere spannenden Fakten finden Sie in dem Klimaportal der ZAMG.

Juni 2020: etwas zu feucht

Die Annahme das der Juni etwas regnerischer war als für gewöhnlich stimmt jedoch. Statt den in Wien üblichen 72 mm fielen 94 mm Niederschlag. Das entspricht einer Abweichung von +31 %. Österreichweit lag die Abweichung bei +21 %. Zu Nass fielen hierbei vor allem die Regionen nördlich des Alpenhauptkammes aus. Von der Weststeiermark über Kärnten bis Zentralsalzburg gab es auch Regionen, in denen nur knapp die Hälfte des Normalniederschlages fiel.

Mit dem Mehr an Regen geht auch ein leichtes Defizit an Sonnenstunden einher. Üblich sind hierbei in Wien 237 Stunden. Der Juni 2020 brachte es auf 193 Stunden (-29 %).

Die ersten Julitage führen diesen Trend weiter. Vielleicht und klimatologisch gesehen bricht der Sommer 2020 keine neuen Rekorde an Hitzewellen oder Höchsttemperaturen, sondern verläuft einmal nahe am klimatologischen Mittel.

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Artikel erschienen am    4. Juli 2020  | 

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