Start einer Radiosonde an der ZAMG-Station Wien-Hohe WarteStart einer Radiosonde an der ZAMG-Station Wien-Hohe Warte

Radiosonden liefern Messdaten aus höheren Schichten der Atmosphäre. Da diese Daten für eine qualitative Wettervorhersage unerlässlich sind, steigen Radiosonden im Normalfall 2 mal täglich von der ZAMG-Wetterstation Wien-Hohe Warte auf. Doch neben diesen Wetterballonen gibt es im Normalfall auch andere Möglichkeiten den Zustand unterschiedlicher Atmosphärenschichten zu bestimmen.

AMDAR-Daten durch Flugzeuge

Die Abkürzung AMDAR steht für Aircraft Meteorological Data Realy, und der Name ist Programm. In der Luft befindliche Flugzeuge aller Fluggesellschaften senden in regelmäßigen Abständen Information über Windgeschwindigkeit, -richtung, Lufttemperatur und Feuchte zum Boden. Täglich kommen so alleine über Europa bis zu 50.000 automatisierte Wettermeldungen in die großen Rechenzentren, wo sie die Ausgangslage des Wettermodells mitbilden. Doch wo bleibt nun der Zusammenhang zwischen dem COVID und Radiosonden?

Um die Verbreitung der aktuellen Pandemie einzudämmen, wurde der weltweite Flugverkehr stark eingeschränkt. Von der Plattform flightradar24 werden zurzeit anstatt bis zu 200.000 Flüge täglich, nur rund 70.000 gezählt. Durch diese verringerte Anzahl an Flugzeugen in der Luft fallen natürlich auch unzählige Wettermeldungen weg. Abhilfe schafft eine erhöhte Anzahl an Radiosondenstarts.

COVID und Radiosonden

Es wird probiert die fehlenden Daten durch Flugzeugmessungen mit einer erhöhten Anzahl an Radiosondenaufstiegen auszugleichen. Die ZAMG berichtet, dass ab heute (Freitag 03.April) neben den üblichen Flugterminen um 00 UTC und 12 UTC auch Starts um 06 UTC und 18 UTC durchgeführt werden.

Radiosonden genauso gut wie AMDAR?

Jetzt kommt die logische Frage auf: Liefern Radiosonden genauso gute Messdaten wie Flugzeuge? Die Antwort auf diese Frage hat zwei Seiten:

  1. Radiosondendaten sind genauer. Während Flugzeuge die Temperatur lediglich auf +/- 1 °C genau messen, liefern Radiosonden problemlos eine Genauigkeit von +/- 0,1 °C. Die fehlende Präzision der AMDAR-Daten wird jedoch aufgrund ihrer enormen Menge und zeitlich dauerhaften Verfügbarkeit wieder wettgemacht.
  2. AMDAR-Daten gibt es nahezu von der ganzen Welt. Gerade für die Wetterprognose für Eruopa, ist die aktuelle Wetterlage am Atlantik von großer Bedeutung. Es gibt zwar vereinzelt Schiffe, die Radiosnden steigen lassen, diese kann man jedoch an einer Hand abzählen. Der große Nachteil der Radiosonden ist also die räumliche Bindung an den Kontinent, und diesen Nachteil kann auch eine verdoppelte Anzahl an Aufstiegen nicht ausgleichen.

Zusammengefasst gilt also: Die eingeschränkte Reisetätigkeit führt indirekt zu einer erhöhten Anzahl an Radiosondenaufstiegen, um die Wettermodelle mit ausreichend Anfangsdaten zu füttern. Ein signifikanter Qualitätsverlust der Wetterprognose ist nicht zu erwarten.

Artikel erschienen am    3. April 2020  | 

Schreibe einen Kommentar