Das Coronavirus und unser Planet. Die enge Verknüpfung dieser zwei Themen ist nicht zu leugnen.Das Coronavirus und unser Planet. Die enge Verknüpfung dieser zwei Themen ist nicht zu leugnen.

Die Ruhe der vergangenen Wochen verblasst langsam, der Alltag geht immer weiter in die Richtung eines gewohnten Lebens. Mittlerweile können nahezu alle Nachbarländer wieder bereist werden und für den Sommerurlaub 2020 gibt es einen Lichtblick am Horizont. Doch wie wirken sich die letzten ungewöhnlichen Wochen eigentlich auf den Klimawandel aus?

COVID und Klimawandel: CO2 ist langlebig

Natürlich stellen Flugzeuge nicht die einzige CO2-Quelle in der Atmosphäre dar. Trotzdem sollte der signifikante Rückgang der globalen Flugaktivität gefühlt unser CO2-Problem zumindest zu einem kleinen Teil lösen. Leider sieht die Realität etwas anders als diese Wunschvorstellung, und der anthropogene Klimawandel lässt sich nicht mal ansatzweise in einem Shutdown von einigen Wochen aufhalten.

Grund hierfür ist die Langlebigkeit diverser Treibhausgase. Während das ebenfalls sehr relevante Treibhausgas Methan eine Verweildauer von ungefähr einem Jahrzehnt hat, ist diese Zahl bei Kohlenstoffdioxid deutlich größer. Studien belegen, dass nach über 1000 Jahren nach der Emission noch immer bis zu 40 % in der Atmosphäre zu finden sind. Diese Zahl ist allerdings von vielen Faktoren wie der CO2-Bindung durch Pflanzen oder der Interkation mit dem Ozean abhängig. Leider werden allerdings immer mehr Waldflächen gerodet, und der Ozean wird immer wärmer, wodurch er weniger des Treibhausgases speichern kann.

An dieser enorm langen Lebensdauer kann man sich bereits vorstellen: Ein Ausstoßrückgang von einigen Wochen verändert an dem CO2-Gehalt unserer Atmosphäre nichts signifikant. Trotzdem war es erstaunlich zu sehen, auf was alles verzichtet werden kann.

„Watschn für jeden Klimaschützer“

Dieses Zitat von Marcus Wadsak, dem Chefmeteorolgen des ORF, bringt diesen angesprochen Aspekt deutlich auf den Punkt. Durch das Coronavirus waren von einen auf den anderen Tag Maßnahmen möglich, von denen Klimaschützer viele Jahre nur träumen konnten. Auch wenn diese Schritte über einige Wochen kaum einen Effekt zeigen, so wären sie über Jahrzehnte hinweg dringend notwendig. Das Problem der Menschheit ist jedoch, dass der Klimawandel im Gegensatz zum COVID aktuell nicht weh tut. Dieser träge Prozess verschlimmert sich schleichend über die nächsten Jahrzehnte immer weiter. Geht das Leben wie zuvor auf diesem Planeten weiter und die Emissionen können nicht deutlich reduziert werden, so erfährt die aktuell jüngere Hälfte der Weltbevölkerung in Zukunft klimabedingt wesentlich höhere Todeszahlen als durch das Coronavirus hervorgerufen. „Flatten the curve“ sollte also auch ganz dringend bei der Emission diverser Treibhausgase gelten!

Rückgang des Feinstaubes

Einen deutlichen Effekt hatte das Coronavirus jedoch auf die regionale Luftqualität. Aerosole wie Feinstaub haben nämlich eine deutlich kürzere Verweildauer als Treibhausgase. Durch das verringerte Verkehrsaufkommen war auch in diesem Punkt die Emission geringer, wodurch die Konzentration im Vergleich zu selbigen Monaten des Vorjahres deutlich sank. Genau diesen Sachverhalt verdeutlicht die ZAMG am Beispiel von NO2 (Stickstoffdioxid).

Vergleich Stickstoffdioxid 2020 (oben) und 2019 (unten): Dargestellt ist die durchschnittliche Konzentration von Stickstoffdioxid bis 12 Kilometer Höhe, im Zeitraum 16. März bis 11. April. Quelle: ZAMG
Vergleich Stickstoffdioxid 2020 (oben) und 2019 (unten): Dargestellt ist die durchschnittliche Konzentration von Stickstoffdioxid bis 12 Kilometer Höhe, im Zeitraum 16. März bis 11. April. Quelle: ZAMG

Artikel erschienen am    8. Juni 2020  | 

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