Kondensstreifen an einem Abend im Großraum Wien; Foto: wetter-wien.wienKondensstreifen an einem Abend im Großraum Wien; Foto: wetter-wien.wien
Hinter Flugzeugen sieht man oft weiße Linien am Himmel – die sogenannten Kondensstreifen. Im Prinzip handelt es sich dabei um künstlich erzeugte Wolken. Grund dafür sind die Abgase, die aus den Triebwerken kommen – denn bei der Verbrennung des Flugzeugtreibstoffs Kerosin entstehen u.a. Ruß und Wasserdampf. Der Wasserdampf kann rasch kondensieren, weil die Rußteilchen als Kondensationskeime dienen. So kann sich hinter einem Jet ein Kondensstreifen bilden.

So entstehen Kondensstreifen

Entscheidend für die Entstehung von Kondensstreifen sind Temperatur und Feuchtigkeit. Langstreckenflugzeuge sind in einer Reisehöhe von etwa 10.000 Meter unterwegs, wo es sehr kalt ist – Werte von unter -40°C sind hier die Regel. Das sind perfekte Bedingungen für die Bildung von Kondensstreifen. Ist die Luft sehr feucht, kann sich die kondensierte Luft mehrere Stunden lang halten und sich durch Windscherung sogar zu einer geschlossenen Wolkenschicht verdichten. Ist die Luft dagegen trocken, lösen sich Kondensstreifen rasch wieder auf.

Warum haben manche Flugzeuge Kondensstreifen und andere nicht?

Wie ist es möglich, dass ein Flugzeug am Himmel einen Kondensstreifen hinterlässt und ein anderes nicht? Wenn man Jets vom Boden aus beobachtet, scheinen sich diese in derselben Flughöhe zu befinden. In Wirklichkeit liegen zwischen den beiden Flugzeugen jedoch oft mehr als 300 Meter Höhenunterschied und dementsprechend auch unterschiedliche Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Einfluss auf unser Klima

Kondensstreifen beeinflussen unser Klima, weil sie wie ein Schirm und eine Decke zugleich wirken. Zwar schirmen sie Sonneneinstrahlung ab und sorgen so dafür, dass sich die Oberfläche der Erde geringer erwärmt. Im Gegensatz dazu sorgen sie aber auch dafür, dass weniger Wärme vom Erdboden in den Weltraum abgegeben wird. Welcher Effekt in welchem Ausmaß überwiegt, ist aktuell Gegenstand der Forschung.

Was ist an Chemtrails dran?

Seit Anfang dieses Jahrtausends sind Geschichten über sogenannte „Chemtrails“ in Umlauf – diese behaupten, dass Flugzeuge nicht einfach nur Wasserdampf und Ruß in der Luft hinterlassen, sondern darüber hinaus Chemikalien in der Luft verteilen würden. Die Liste an Mutmaßungen, wozu dies geschehe, ist lang und reicht von der Beeinflussung des Wetters bis zur Verbreitung von Psychopharmaka. Belege dafür gibt es freilich nicht. Für eine direkte Beeinflussung des Wetters fliegen Passagierjets zu hoch, und die für die heimliche Verbreitung von Psychopharmaka gäbe es effizientere Möglichkeiten, als diese in großer Höhe zu versprühen – denn die Atmosphäre ist ein chaotisches System, und es wäre kaum möglich genau zu berechnen, wo, wann und in welcher Konzentration diese Chemikalien auf der Erdoberfläche landen.

Artikel erschienen am    22. Oktober 2017  | 

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