Herbst - Die Jahreszeit des bunten Laubes.Herbst - Die Jahreszeit des bunten Laubes.

Meteorologisch sind die Jahreszeiten etwas anders definiert als in der populäreren Angabe der Astronomie, welche das Jahr über den Sonnenstand in 4 Abschnitte einteilt. Wir Meteorologen halten es hier einfacher und teilen ein Jahr in 4 Zeitspannen von jeweils 3 Monaten. Der Herbst beginnt hierbei mit dem 1.September und endet am 30.November.

November 2019 österreichweit deutlich zu mild

Österreichweit lag die durchschnittliche Temperatur im November um + 1,9 °C über dem langjährigen (1981-2010) klimatologischen Mittelwert von 2,0 °C. Nachfolgende Abbildung zeigt, dass hiervon vor allem der Osten Österreichs betroffen war. Von Wien bis ins Klagenfurter Becken lag die Temperaturanomalie im Bereich von +2,5 °C bis + 3,5 °C. Insgesamt zählt der vergangene November zu den 15 wärmsten der Messgeschichte.

Temperaturabweichung zum klimatologischen Mittel von 1981 bis 2010 über Österreich. Quelle: ZAMG
Temperaturabweichung zum klimatologischen Mittel von 1981 bis 2010 über Österreich. Quelle: ZAMG

Auch Wien lag demnach klar über dem Durchschnitt. An der Klimastation Wien-Hohe Warte waren es statt dem Mittelwert von 5,5 °C sogar 8,3 °C (+ 2,8 °C). Der Temperaturhöchstwert wurde diesmal nicht in der Inneren Stadt, sondern in Wien-Unterlaa mit 19,0 °C am 3.November gemessen. Der Temperaturtiefstwert war wie gewohnt an der TAWES Station Mariabrunn am Rande des Wienerwaldes erreicht. In der Nacht auf 11.11 (Faschingsbeginn) zog die Temperatur ihr Frostkostüm über und sank auf – 2,8 °C.

Im Süden neue Niederschlagsrekorde

Bereits Mitte November berichtete die wetter-wien.wien Redaktion von dem Schneechaos und Hochwasser am Alpensüdrand. Diese Extremereignisse zeigen sich auch in der Klimatologie des Novembers. In Lienz, Osttirol fielen bis zum 20. November über 400 mm Niederschlag. Ein Vergleichswert verdeutlicht diese Menge: In Wien fallen jährlich rund 660 mm Regen. Nahezu unvorstellbar, dass ca. 2/3 dieses Jahresniederschlages in wenigen Tagen vom Himmel kamen.

Bezüglich der Niederschlagsmenge fand in Österreich gewissermaßen eine Zweiteilung statt. Durch die Vielzahl von Adriatiefs und die einhergehende Südanströmung bekam fast nur die Alpensüdseite Regen und Schnee ab. Nördlich der Zentralalpen vor allem die Bundesländer Nieder- und Oberösterreich zu trocken aus. Hier gab es nur rund 60 % des mittleren Niederschlages.

Niederschlagsverteilung im November 2019 über Österreich. Quelle: ZAMG
Niederschlagsverteilung im November 2019 über Österreich. Quelle: ZAMG

Wien lag in einer Übergangszone zwsichen diesen zwei Extrema, wodurch sich eine klimatologisch im Normbereich befindliche Gesamtniederschlagsmenge ergab.

Der gesamte Herbst

Wie eingangs versprochen folgen nun auch noch ein paar Worte zum gesamten Herbst 2019. Da jeder einzelne der 3 Herbstmonate zu warm ausfiel, gilt dies auch für die gesamte Jahreszeit. Die Abweichung zum Klimamittel sind glücklicherweise nicht so extrem wie unter Alleinbetrachtung des Novembers. Das Bild des Niederschlages gleicht dem des Novembers: Trockenheit im Mostviertel und Oberösterreich im Kontrast zu Feuchteüberschuss im Süden Österreichs.

Das klimatologische Mittel stellt natürlich nur einen statistischen Mittelwert von 30 Jahren Wetteraufzeichnungen dar. Abweichung von diesem sind somit sowohl in positive, als auch negative Richtung natürlich und nichts Bedenkliches. Allerdings fielen 19 der letzten 20 Monate zu warm aus, was nicht für einzelne Ausreißer, sondern eine allgemein starke Erwärmung spricht. Dieser Trend ist weder natürlich noch bedenkenlos, sondern beweist einen anthropogen getriebenen Klimawandel.

Artikel erschienen am    3. Dezember 2019  | 

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