Temperaturabweichung im Österreichischen Tiefland von 1768 bis 2019Temperaturabweichung im Österreichischen Tiefland von 1768 bis 2019. Quelle: ZAMG

Das Verhalten des Systems Erde ist nicht strikt linear und berechenbar. Schwankungen des Wetters und in weiterer Folge des Klimas sind gut und auch zweifelsohne natürlich. Auf einen schneereichen Winter kann ruhig ein schneearmer folgen, auf zwei zu kalte Monate soll ruhig einer kommen der deutlich über dem Mittel liegt, auf ein Jahr mit gutem landwirtschaftlichem Ertrag kann auch eines mit durch Trockenheit bedingten Einbußen folgen. Nach einem Jahr mit Gletscherzuwachs dürfen auch einige der Gletscher im Folgejahr schrumpfen. Aus diesem 30 jährigen Auf und Ab ergibt sich dann das klimatologische Mittel, auf welches so oft Bezug genommen wird.

Das heutige Problem des „anthropogen getriebenen Klimawandels“ ist jedoch, dass aus diesem natürlichen Auf und Ab, ein alleiniges, vom Menschen forciertes Auf geworden ist. Ein Beispiel hierfür ist die Betrachtung der Monatsmitteltemperatur im Jahr 2019:

11 von 12 Monaten zu warm

In der Klimatologie 2019 besonders auffällig ist, dass nahezu alle Monate über dem klimatologischen Mittel lagen. Eine Ausnahme bildet hierbei der Wonnemonat Mai. Eine Zusammenfassung aller Monate soll diese Auflistung geben (Daten nach ZAMG):

Jan+ 0,5°CMai– 2,5 °CSept+ 0,9 °C
Feb+ 2,3 °CJun+ 4,7 °COkt+ 1,5 °C
Mar+ 2,3 °CJul+ 1,7 °CNov+ 2,1 °C
Apr+ 1,5 °CAug+ 1,8 °CDez+ 2,5 °C

Mit einem Klick auf die Monatsnamen gelangen Sie auch direkt zum dazugehörigen Artikel über dessen Klimatologie.

3. wärmstes Jahr der Messgeschichte

Schnell ist hier klar: Das eingangs erwähnt Ab sucht man hier vergeblich. Wenig überraschend fiel somit auch das gesamte Jahr 2019 zu warm aus. Im österreichweiten Vergleich um +1,6 °C (Vergleichszeitraum 1981 – 2010) beziehungsweise +2,3 °C (Vergleichszeitraum 1961 – 1990). Hierbei ist noch Anzumerken, dass Wien von diesen Veränderungen besonders stark betroffen ist. So weicht hier die Temperatur noch stärker als im österreichweiten Mittel ab: +2,0 °C (Vergleichszeitraum 1981 – 2010) bzw. +2,7 °C (Vergleichszeitraum 1961 – 1990).

Diese Zahlen sind nur geringfügig kleiner als die des Rekordjahres 2018, welches als bisher wärmstes Jahr der Messgeschichte gilt. Doch 2019 reiht sich nur knapp dahinter auf Platz 3 ein. Die zehn wärmsten Jahre lauten, mit dem wärmsten beginnend, demnach: 2018 (+1,7 °C), 2014 (+1,6 °C), 2019 (+1,6 °C), 2015 (+1,6 °C), 1994 (+1,1 °C), 2007 (+1,0 °C), 2016 (+1,0 °C), 2000 (+1,0 °C), 2002 (+1,0 °C), 2008 (+0,8 °C). Die Zahlen in Klammer geben erneut die Abweichung zum klimatologischen Mittel von 1981 – 2010 an.

Ähnliche Information enthält auch das zu Beginn gezeigte Bild der Jahresmitteltemperatur. Diese Abbildung, erstellt von der ZAMG, zeigt die Abweichung eines jeden Jahres im Vergleich zum Mittelwert der Periode von 1768 bis 2019. Die Farben Rot und Blau verdeutlichen ob ein Jahr wärmer oder kälter als dieses Mittel war. Nicht zu übersehen ist der dramatische Anstieg des 15 jährigen Mittels gegen Ende (dicke schwarze Linie).

Unregelmäßiger Niederschlag

Ein Blick auf die folgende Abbildung genügt, um zu sagen, dass die Niederschlagsmenge im Jahr 2019 österreichweit in etwa dem klimatologischen Mittel entsprach. Der Süden und Westen hat etwas mehr abbekommen als der Norden und Osten, aber im Großen und Ganzen sind keine allzu großen Trockengebiete auszumachen.

Niederschlagsverteilung über Österreich im 2019. Relativ zum Zeitraum zwischen 1981 bis 2010.
Niederschlagsverteilung über Österreich im 2019. Relativ zum Zeitraum zwischen 1981 bis 2010. Quelle: ZAMG

Etwas problematischer ist allerdings die zeitliche Verteilung des Regens. Die Zeitserie der Station Wien Hohe Warte lässt immer wieder sehr lange (zum Teil ein Monat oder länger) Trockenperioden vermuten. In diesen hat es kaum geregnet und die Böden trockneten sehr stark aus. Als Beispiel hierfür sei der Zeitraum zwischen Mitte März und Ende April genannt. In diesen 1,5 Monaten sind nicht einmal 10 mm Regen vom Himmel gefallen. Da jedoch die Gesamtniederschlagsmenge sehr gut dem Klimamittel entspricht, liegt es auf der Hand, dass als Ausgleich oftmals viel Regen in kurzer Zeit gefallen ist. Leider sind die Böden nicht in der Lage beliebig viel Wasser in kurzer Zeit aufzunehmen, was allgemein zu ausgetrockneten Böden führt. Aktuell bemerkbar macht sich dies auch in schnell nadelnden Christbäumen, da auch diese im vergangenen Jahr 2019 zu wenig Wasser zur Verfügung hatten.

Aufsummierte Tagessumme des Niederschlages für 2019 an der Station Wien-Hohe Warte. Quelle: ZAMG
Aufsummierte Tagessumme des Niederschlages für 2019 an der Station Wien-Hohe Warte. Quelle: ZAMG

Der Ausweg aus der Klimakrise

Es gibt genau einen Ausweg aus dieser uns alle betreffenden Klimakrise: Globales Umdenken. Das beginnt bei dem ökologischen Fußabdruck eines jeden Bürgers, endet aber nicht dort. Denn mindestens genauso wichtig, wie dessen Verkleinerung, ist auch das Umdenken ganzer Länder. Erst wenn Abfall nicht mehr mit gigantischen Frachtschiffen tausende von Kilometern transportiert wird, klimatisierte Kuhställe für hunderte Tiere inmitten der Wüste geschlossen werden, Flugtickets zwischen London und Helsinki mehr als 15 € kosten und jeder Einzelne mitarbeitet um den vom Menschen beschleunigten Klimawandel auf ein natürliches Maß zu reduzieren, erst dann können wir diesem Teufelskreis entkommen.

Wetter-Statistik 2019 – Alle Monate im Überblick:

Artikel erschienen am    6. Januar 2020  | 

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