Durch die hohen Temperaturen kommt es zu vermehrtem Abschmelzen der grönländischen EismassenDurch die hohen Temperaturen kommt es zu vermehrtem Abschmelzen der grönländischen Eismassen

Aus der Klimastatistik der ZAMG ist ersichtlich, dass die Tagesdurchschnittstemperatur im 30-jährigen Mittel in Wien um den 5.Mai bei ziemlich genau 15 °C liegt. Diesen Wert unterschreiten wir in den vergangenen Tagen deutlich. Den Tiefpunkt dieser Kältewelle markiert der 5. Mai, wo eine Tagesdurchschnittstemperatur von rund 5 °C herrscht. Auswirkungen waren am Morgen des Sonntags deutlich zu sehen: In höheren Lagen des Wienerwaldes fiel der Niederschlag bereits als Schnee. Auf der A1 beim Knoten Steinhäusl musste der Winterdienst der Asfinag nochmals ausrücken.

Polare Luftmasse verantwortlich für Kältewelle

Verantwortlich für diesen späten Gruß des Winters ist das Tief Werner über Nordfennoskandien in Kombination mit dem Hoch Maxine, dessen Druckzentrum knapp westlich von Schottland ist. Diese Kombination schaufelt ausgesprochen energiearme Luftmassen bis in den zentraleuropäischen Alpenraum, wo sie eine regelrechte Kältewelle auslöst. Über Norditalien wartet jedoch das nächste Tief namens Xerxes, welches warmfeuchte Mittelmeerluft nach Norden transportiert. Wien befindet sich ziemlich genau an dieser Luftmassengrenze, was zu anhaltenden Niederschlägen aus dieser stationären Front führt.

Deutlich zu warm in Polregion

An der Westflanke führt Hoch Maxine als Ausgleich energiereichere und somit auch wärmere Luftmassen von den mittleren Breiten in Richtung Norden bis weit über Grönland. Während es also bei uns in Wien und großen Teilen Zentraleuropas deutlich zu kalt für diese Jahreszeit ist, liegen die Temperaturen in der Polregion klar über dem Durchschnitt. Verdeutlicht wird dies durch die folgende Karte, welche in den Zeilen nach der Abbildung noch genauerer Erklärung bedarf.

Temperaturabweichung der Nordhemisphäre zum klimatologischen Mittel; Quelle: Wetterzentrale
Temperaturabweichung der Nordhemisphäre zum klimatologischen Mittel; Quelle: Wetterzentrale

Es handelt sich um eine hemisphärische Darstellung. Bildlich gesprochen schwebt also der Betrachter genau über dem Nordpol und sieht die „obere“ Hälfte der Erde. Europa befindet sich hierbei im rechten unteren Quadranten der Abbildung. Links ist Amerika zu sehen und oben der Pazifik. Die Farbgebung stellt die Temperaturabweichung zum klimatologischen Mittel von 1981 bis 2010 dar. Blaue/Rote Bereiche kennzeichnen also Regionen in des kühler/wärmer als im langjährigen Mittel sind.

Eismassen schmelzen besonders schnell dahin

Leider ist es nicht so, dass die tieferen Temperaturen hierzulande sich mit den höheren über Grönland kompensieren und so global alles stimmen würde. Die „Hitze“ in Grönland führt nämlich zu einem verstärkten Abschmelzen dortiger Gletscher. Diese Reduktion der Eismassen führt zu einer geringeren Albedo der Erde und verändert deren Strahlungshaushalt. Es wird also langfristig mehr Energie gespeichert, welche zu einer stärkeren Erwärmung führt. Ein Teufelskreislauf aus dem wir bis jetzt noch keinen anderen Ausweg als das stecken von wertvollen Klimazielen sehen. Leider werden diese in der Umsetzung regelmäßig verfehlt.

Umso dramatischer ist es, dass sogar das ein oder andere Staatsoberhaupt die Erwärmung verleugnet und sie bei Auftreten von Kältewellen ins lächerliche zieht. Kaltlufteinbrüche mögen zwar die Klimastatistik der eigenen Region enorm aufbessern, global gesehen können sie uns aber noch tiefer in den Teufelskreislauf Klimaerwärmung reiten.

Artikel erschienen am    6. Mai 2019  | 

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