Nordatlantische Oszillation: Azorenhoch und Islandtief- Farbe zeigt Temperaturverteilung in 2m Höhe. Daten: GFS/NOAAAzorenhoch und Islandtief; schematische Darstellung mit Isobaren im Abstand von 5 hPa - Farbe zeigt Temperaturverteilung in 2m Höhe. Daten: GFS/NOAA
Das Islandtief bestimmt im Zusammenspiel mit dem Azorenhoch das Wetter nicht nur auf dem Atlantik, sondern in weiten Teilen Europas. Im Sommer lässt es unsere Grillabende ins Wasser fallen, im Winter geht es mit milder und feuchter Witterung unseren Skipisten an den Kragen. Wie schafft es das? Und was hat Island damit zu tun?

So entsteht das Islandtief

Das Islandtief bildet sich ständig neu. Das liegt an der globalen Verteilung des Luftdrucks. Starten wir am Äquator. Von dort steigt warme Tropenluft in große Höhe auf und fließt in der Höhe nach Süden bzw. Norden ab. Lassen wir der Einfachheit halber den Süden weg, kümmern wir uns nur um die Geschehnisse auf der Nordhalbkugel: Die tropisch-warme Luft wandert in Richtung Nordpol. Auf ihrem Weg nach Norden kühlt sie ab und beginnt wieder zu sinken. Wenn kalte Luft absinkt, bildet sich am Boden ein Hochdruckgebiet – so entsteht im Bereich zwischen 20 und 40 Grad nördlicher Breite der subtropische Hochdruckgürtel. Dieser ist beispielsweise die Heimat des Azorenhochs.

Während am Äquator warme Luft aufsteigt, ist es am Nordpol genau umgekehrt. Hier sinkt kalte Luft ab und bildet das polare Kältehoch. Die Luft fließt in Richtung Süden ab und erwärmt sich dabei. Im Bereich zwischen 60 und 70 Grad nördlicher Breite (subpolare Tiefdruckrinne) steigt diese erwärmte Luft auf und lässt am Boden Tiefdruckgebiete entstehen. Bevorzugt bilden sich diese Tiefs über den Ozeanen, denn die – im Verhältnis zum Festland – warme Meeresoberfläche „heizt“ auch die Luft und lässt sie steigen.

Wo liegt das Islandtief?

So trifft es sich, dass rund um Island die Bedingungen für die Entstehung ausgeprägter Tiefdruckgebiete ideal sind. Weil Namen wie „Zirka-60-Grad-nördlicher-Breite-Tief“ oder „Nordatlantik-Tief“ etwas weniger sexy sind als „Islandtief“, hat sich letzterer durchgesetzt. Dabei liegt das Tief nicht immer an der selben Stelle, sondern ändert beständig seine Position. In den letzten 100 Jahren lag sein Zentrum im Schnitt zwischen 59 und 62 Grad nördlicher Breite, der Kerndruck schwankte zwischen 975 und 1015 hPa.

So wirkt das Islandtief auf unser Wetter

Im Duett mit dem Azorenhoch nimmt das Islandtief wesentlichen Einfluss auf das Wetter in Europa. Die beiden Drucksysteme verlagern sich in unregelmäßigen Abständen nach Norden bzw. Süden und verändern damit die Lage und Stärke der atlantischen Westwinddrift. Den Luftdruckunterschied zwischen Azorenhoch und Islandtief bezeichnet man als „Nordatlantische Oszillation“ (NAO). Je nach Lage der beiden Systeme fließt großräumig polare Kaltluft, mild-feuchte Atlantikluft oder Warmluft aus Südwesten nach Mitteleuropa.

Artikel erschienen am    23. November 2017  | 

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